Michael-Schmidpeter-Preis würdigt queersensible Jugendarbeit

Bei einer feierlichen Veranstaltung mit queerpolitischer Diskussion wurde am 16.April erneut der Michael-Schmidpeter-Preis verliehen. Mit dem Preis würdigen der Bayerische Jugendring (BJR) und das Jugendnetzwerk Lambda Bayern herausragendes Engagement für queersensible Jugendarbeit in Bayern.

 

Wer war der Namensgeber des Preises?

Der Preis erinnert an das Schicksal von Michael Schmidpeter, der sich 2006 im Alter von 17 Jahren das Leben nahm. Er steht stellvertretend für viele junge queere Menschen, die im Coming-out-Prozess verzweifeln und keinen Ausweg mehr sehen. Umso wichtiger ist es, queere Themen sichtbar zu machen, junge Menschen in ihrem Selbstfindungsprozess vielseitig zu unterstützen und für mehr Akzeptanz und Toleranz einzustehen. Der Preis wurde ins Leben gerufen, um Projekte und Initiativen – in der Jugendarbeit, an Schulen, in Familien und Gesellschaft – zu würdigen und zu stärken.

Bei der Verleihung betonte Philipp Seitz, Präsident des BJR, die Relevanz queersensibler Jugendarbeit: „Der Michael-Schmidpeter-Preis erinnert uns daran, wie entscheidend es ist, junge Menschen in ihrer Identität zu stärken und sie in schwierigen Lebensphasen nicht allein zu lassen. Queersensible Jugendarbeit macht oft den entscheidenden Unterschied zwischen Unsichtbarkeit und Selbstvertrauen. Sie schafft Schutzräume, in denen Identität wachsen kann, und gibt jungen Menschen Mut und Halt auf ihrem Weg.“ Patrick Wolf, Vorsitzender der Kommission Queere Jugendarbeit, ergänzte: „Alle heute vorgestellten Projekte zeigen eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Menschen vor Ort mit Mut und Herz Verantwortung übernehmen. Sie alle sind Auftrag und Ermutigung zugleich, queersensible Jugendarbeit weiter zu stärken und konsequent auszubauen.“

Nora Plewa, Vorstandsmitglied im Jugendnetzwerk Lambda Bayern, ergänzt: „Mit dem Michael-Schmidpeter-Preis machen wir sichtbar, was queere Jugendarbeit täglich häufig ehrenamtlich leistet, oft unter schwierigen Bedingungen und mit zu wenig struktureller Unterstützung. Gleichzeitig bleibt klar: Einzelne Projekte können fehlende politische Verantwortung nicht ersetzen. Wir brauchen in Bayern verbindliche Maßnahmen für mehr Schutz, mehr Sichtbarkeit und echte Gleichberechtigung für queere junge Menschen. Dafür setzen wir uns auch weiterhin ein.”

 

Die Preisträger:innen

Der Preis wird in drei Kategorien vergeben und ist jeweils mit 500 Euro dotiert. Die Auszeichnung unterstützt die Preisträger:innen dabei, ihre Projekte weiterzuführen oder neue Initiativen zu entwickeln. Insgesamt gingen in diesem Jahr elf Bewerbungen ein.

Der Gruppenpreis für Jugendgruppen geht in diesem Jahr an „How To CSD“. Das Projekt junger, queerer Ehrenamtlicher setzt sich dafür ein, queere Gemeinschaften auch außerhalb großer Städte zu stärken. Ziel ist es, kleinere Christopher-Street-Day-Paraden zu unterstützen und so gerade im ländlichen Raum Orte zu schaffen, an denen queere Menschen sichtbar werden, sich vernetzen und begegnen können. Den Gruppenpreis für Schulklassen erhält der SOR-Wahlkurs am Jakob-Fugger-Gymnasium Augsburg. Im Rahmen des Diversity Days entwickelte der Wahlkurs „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ein mehrstufiges Projekt zur Förderung von Toleranz und Sichtbarkeit. Eine selbst durchgeführte schulweite Umfrage lieferte dabei eine Grundlage, um Wissenslücken und Sensibilisierungsbedarfe im Schulalltag zu identifizieren. Darauf aufbauend entstanden gezielte Formate, die Vielfalt in ihren unterschiedlichen Dimensionen – religiös, sexuell und kulturell – stärker im Schulalltag verankern.

Mit dem Einzelpreis für Jugendliche wurden in diesem Jahr zwei Projekte ausgezeichnet: Finn Fischer von der DAV-Sektion Landshut erhielt die Auszeichnung für die Organisation eines inklusiven, queeren Kletteraktionstags im Rahmen der Initiative „Paradiesvögel Landshut“ in Kooperation mit der queeren Alpenvereinsjugend. Der Aktionstag brachte queere junge Kletter:innen aus verschiedenen Regionen zusammen und schuf einen niedrigschwelligen, sicheren Raum im Sportkontext, der Begegnung und Vernetzung ermöglichte. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Wolfgang Jester für den deutsch-griechischen Jugend(Film-)Austausch und den daraus entstandenen Kurzfilm „Liebes Imerológio“. Das Projekt erzählt in Form eines fiktiven Tagebuchs die Geschichte einer non-binären Person, die während eines Auslandsaufenthalts in Griechenland zwischen Selbstfindung, Identität und gesellschaftlichen Erwartungen ihren eigenen Weg sucht. Der Film verbindet persönliche Perspektiven mit künstlerischem Ausdruck und setzt ein Zeichen für Diversität und internationale Jugendbegegnung.

 

Preisverleihung und queerpolitischer Austausch

Die Preisverleihung fand im Rahmen einer queerpolitischen Diskussion zum Bayerischen Aktionsplan QUEER statt. Nach einem fachlichen Input von Dr. Christiane Nischler-Leibl (Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales) zum aktuellen Stand des Aktionsplans wurde eine Gesprächsrunde mit Landtagsabgeordneten eröffnet: Andreas Jäckel (CSU), Florian Siekmann (Bündnis90/Die Grünen), Doris Rauscher (SPD) und Anton Rittel (Freie Wähler) diskutierten, welche Bedeutung der Aktionsplan QUEER für Bayern hat und wie eine gelingende Umsetzung gestaltet werden kann. Dabei wurden unterschiedliche politische Perspektiven und fraktionsspezifische Schwerpunkte eingebracht. Im offenen Gespräch konnte ein direkter Austausch zwischen Politik und Praxis stattfinden. Dabei kamen insbesondere Perspektiven und Erfahrungen aus der queeren Jugendarbeit und aus den ausgezeichneten Projekten selbst zur Sprache.