QueerStart: Gegen Einsamkeit auf dem Land
Während queere Jugendliche in größeren Städten häufig auf etablierte Strukturen zurückgreifen können, sieht es auf dem Land in Bayern anders aus. Mit dem Projekt „QueerStart“ setzt sich Lambda Bayern deshalb gezielt für die Förderung queerer Jugendgruppen im ländlichen Raum ein. Das seit Ende 2024 bestehende Projekt hat sich als erfolgreiches Struktur- und Aufbauprojekt etabliert: Zwei neue Jugendgruppen sind bereits entstanden, weitere zehn befinden sich in Planung. Bayernweit treffen sich Jugendliche inzwischen wöchentlich – für viele das erste Mal, dass sie offen über ihre Identität sprechen können. „Viele junge queere Menschen fühlen sich allein, gerade außerhalb der Städte“, sagt Projektreferentin Jasmin Klein. „Wir begleiten sie von der ersten Idee bis zur funktionierenden Gruppe.“ Das bedeutet konkret: Unterstützung bei der Raumsuche, Vermittlung von Mentor:innen, Hilfe bei der Organisation – und vor allem: das Signal, dass sie nicht allein sind.
Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales fördert die Fortführung des Projekts bis Ende 2026 mit 110.500 Euro. Eine Verlängerung bis 2027 durch zusätzliche Mittel aus der Fraktionsinitiative von CSU und Freie Wähler ist in Aussicht gestellt. „Der Schutz aller Menschen ist uns ein zentrales Anliegen. Leben und leben lassen: Selbstbestimmt, gleichberechtigt und gewaltfrei leben zu können, muss für alle Menschen in unserem Freistaat selbstverständlich sein – in der Stadt und auf dem Land. Unabhängig von der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität. Das ist der Kern dessen, was unser Zusammenleben ausmacht. Das ist nicht verhandelbar“, sagt Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU).
Politische Unterstützung – fraktionsübergreifend
Auch bei einer Vorstellung des Projekts im Bayerischen Landtag hat QueerStart fraktionsübergreifend große Unterstützung erfahren. In Gesprächen mit CSU, Freien Wählern, Bündnis90/Die Grünen und SPD wurde das Projekt als „sinnvoller und notwendiger Baustein“ bewertet. Mehrere Abgeordnete betonten, queeres Leben dürfe nicht auf Großstädte oder Aktionstage reduziert werden. Die zentrale Frage: Wie lassen sich Unterstützungsstrukturen dauerhaft in ländlichen Räumen verankern? Die Erwartung: Blinde Flecken in Bayern schließen, für junge Menschen ein attraktives Angebot bereithalten und eng mit dem Bayerischen Aktionsplan QUEER verzahnen.
Ausblick: Patenschaften, QueerStart-Box und Pixiebuch
Um an die bisher erfolgreiche Projektentwicklung anzuknüpfen und junge Menschen bei der Gründung von queeren Jugendgruppen weiter zu unterstützen, sind Workshops zu Social Media und Öffentlichkeitsarbeit, Umgang mit Anfeindungen sowie die Stärkung des Ehrenamts geplant. Ein Patenschaftssystem soll neue Gruppen langfristig begleiten und sicherstellen, dass erfahrene Gruppen ihr Wissen an neu gegründete Initiativen weitergeben. Zudem sollen queere Jugendthemen online sichtbarer gemacht werden. Ein weiterer Schwerpunkt einer verlängerten Förderperiode bis Ende 2027 ist die Verbreitung der QueerStart-Box: ein Materialpaket, das sowohl bestehenden als auch neu gegründeten queeren Jugendgruppen den Aufbau und die Gestaltung regelmäßiger Treffen erleichtert. Die Box enthält Informations- und Arbeitsmaterialien für Gruppenstunden, Kooperationsspiele wie TopTen, Moderationswerkzeug, Impulse für Warmup-Situationen sowie praktische Utensilien wie Klemmbrett, Pronomensticker und Namensschilder. Insgesamt stehen 50 Boxen zur Verfügung.
Darüber hinaus ist die Veröffentlichung eines Pixiebuchs geplant – ein kompakter Leitfaden mit Tipps und Tricks zur Gründung queerer Jugendgruppen, der Interessierten einen niedrigschwelligen Einstieg ermöglichen soll. Zum Abschluss der Förderperiode Ende 2027 wird Lambda Bayern die Ergebnisse des Projekts systematisch sichern und Strategien für eine nachhaltige Verstetigung der aufgebauten Strukturen entwickeln – damit die geschaffenen sicheren Räume für queere Jugendliche auch langfristig Bestand haben.
IDAHOBIT: Mehr als Symbolik
Der IDAHOBIT erinnert jedes Jahr daran, dass Vielfalt, Akzeptanz und Schutz queerer Menschen keine Selbstverständlichkeit sind. Klar ist: Queere Jugendliche brauchen nicht nur symbolische Solidarität, sondern verlässliche Strukturen mit nachhaltiger Finanzierung und gesellschaftliche Sichtbarkeit. Im Hinblick auf den angekündigten Aktionsplan QUEER des Freistaats Bayern begrüßt Lambda Bayern ausdrücklich, dass politische Maßnahmen zur Stärkung queerer Lebensrealitäten erarbeitet werden. Der Verband wird den Prozess konstruktiv begleiten und insbesondere die Perspektiven queerer Jugendlicher aktiv einbringen.