Rückhalt vom Jugendring und aus dem Bundesverband
BJR-Präsident Philipp Seitz dankte in seinem Grußwort für das Engagement der queeren Jugendarbeit und die gute Zusammenarbeit mit Lambda Bayern. Der BJR habe außerdem mit dem jüngsten Vollversammlungs-Beschluss zur Zusammensetzung des Landesvorstands einen weiteren wichtigen Schritt getan: Künftig kann auch eine nicht-binäre Person in den Vorstand gewählt werden. Dafür sei er sehr dankbar, so Seitz. Hannah Wiendl, ehrenamtlich im Bundesvorstand von Lambda, ordnete die Lage auf Bundesebene ein: Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die Rahmenvereinbarung mit dem Jugendnetzwerk Lambda, die die bundesweite queere Jugendverbandsarbeit langfristig förderte, überraschend zum Jahresende gekündigt. Umso mehr freue sie sich über die positive Entwicklung in Bayern. Sie zeigte sich zudem sehr erfreut über den großen Rückhalt und die Unterstützung aus der Zivilgesellschaft.
Zwischen Sichtbarkeit und Ausgrenzung
Wie ambivalent die Lebenslage queerer Jugendlicher ist, machte Prof. Dr. Nils Klevermann von der Hochschule München in seinem wissenschaftlichen Impuls deutlich: Sie sei von zunehmender Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Anerkennung ebenso geprägt wie von anhaltender Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt. Gerade deshalb brauche es eine queere Jugendarbeit, die junge Menschen von cis- und heteronormativen Erwartungen entlastet, ihnen Räume zum Ausprobieren eröffnet und sie dabei unterstützt, ihre Lebenswelt kritisch zu reflektieren. Damit diese Orte für alle jungen Menschen unabhängig vom Wohnort zugänglich werden, seien verlässliche Strukturen und ausreichende Ressourcen nötig.
Von der Idee zur Gruppe
Wie das in der Praxis aussieht, zeigte Projektreferentin Jasmin Klein durch den aktuellen Stand von QueerStart Bayern. Das Projekt unterstützt die Gründung und den Fortbestand queerer Jugendgruppen in ländlichen Räumen und arbeitet derzeit mit 13 Jugendgruppen in unterschiedlichen Stadien zusammen. Hinzu kommen sechs Initiativen, die Treffen planen, und vier mögliche Kooperationspartner*innen. Ein Beispiel ist das QueerCafé Günzburg: Es startete im Mai 2025, hat seit Ende 2025 ein eigenes Leitungsteam und baut inzwischen zwei weitere Treffen in der Umgebung auf. Das Café erhielt als erste Gruppe eine QueerStart-Box mit Materialien für den Gruppenstart. Fünf dieser Boxen sind bereits verteilt, zwei bis drei weitere sollen im Rahmen persönlicher Besuche noch in diesem Jahr folgen. Ergänzt werden sie durch einen Leitfaden zur Gründung queerer Jugendgruppen, den Catharina Dörr illustriert und gestaltet hat und der über das Projektbüro bestellt werden kann.
Politik: Schule, Aktionsplan und Normalität
Zum Abschluss sagten die Abgeordneten, was sie aus dem Abend mitnehmen. Für Andreas Jäckel (CSU) steht die queere Jugendarbeit noch am Anfang: „Wir sind im Aufbau, das Thema ist noch relativ frisch. Umso wichtiger ist es, dass der Aktionsplan von Anfang an gut durchgeführt wird und Bildung zu queeren Themen auch im Lehrplan ankommt.“ Er sprach sich zudem dafür aus, die Förderung zu stärken und queere Jugendarbeit als Querschnittsthema auch beim neuen Jugendminister zu verankern. Florian Siekmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sah viele neu entstandene und bestehende Gruppen: „Schule ist ein guter Ort, um zu bilden, aber sie ist auch herausfordernd. Wir sollten überlegen, wie wir Schulprojekte unterstützen und sie öfter zu Türöffner für queere Angebote machen.“ Dabei seien auch Safe Spaces wichtig. Anton Rittel (FREIE WÄHLER) hob die Bedeutung von Kommunikation hervor: „Queeres Leben soll zur Normalität werden. Dafür müssen wir auf Schulen zugehen und überlegen, wie das Thema queer in den Bildungsplan kommt.“
Planungssicherheit bis Ende 2027
Dass QueerStart seine Arbeit fortsetzen kann, ist inzwischen gesichert: Im Bescheid von September 2026 stellt der Freistaat Bayern bis zu 160.000 Euro für die Jahre 2026 und 2027 bereit. Das Projekt wird seit 2024 durch Initiativen von CSU und FREIEN WÄHLERN gefördert. Bis Ende 2027 sind weitere Verteilungen der QueerStart-Boxen, Kooperationsveranstaltungen unter anderem mit dem Queeren Netzwerk Bayern, ein Flyerversand und digitale Materialien für Jugendgruppen und Multiplikator*innen geplant. Parallel reflektiert das Team das bisherige Projekt und plant die Weiterarbeit ab 2027.